Shoes in the snow

EN:

The shoes stand in the snow, as if they have momentarily forgotten where they were going. The first step crunches softly, almost shyly. For a year, the ground here has not seen any white. Now it lies there—thin, but real—like a promise one hardly dared to hope for.

The snow clings to the laces, gathers in the grooves of the soles. Every step leaves a trace that is immediately softened again. It is cold, but not harsh. Quiet, but not empty. For a moment, everything feels simpler, as if the world were breathing more slowly.

“This is so beautiful,” one thinks instinctively. Not spectacularly beautiful, but familiar. Like a memory of winters that used to last longer. Of days when snow was something natural, not something you photograph because it might soon be gone again.

And as the shoes keep moving, a quiet question presses in: why is snow becoming more and more rare?

The answer does not lie in the sky above this field, but in the years before. In warmer winters, in cities that store heat, in emissions you cannot see but that linger. The climate is shifting slowly, almost imperceptibly—just as this snow falls quietly, yet changes everything.

The shoes keep walking. Perhaps this snow will melt by tomorrow. Perhaps it will stay for a few days. But now it is here. And every step is a small pause, a silent thank-you to something that used to be normal and has now become precious.

DE:

Die Schuhe stehen im Schnee, als hätten sie einen Moment lang vergessen, wohin sie eigentlich wollten. Der erste Schritt knirscht leise, fast schüchtern. Seit einem Jahr hat der Boden hier kein Weiß mehr gesehen. Jetzt liegt es da, dünn, aber echt – wie ein Versprechen, das man kaum zu hoffen wagte.

Der Schnee klebt an den Schnürsenkeln, sammelt sich in den Rillen der Sohlen. Jeder Schritt hinterlässt eine Spur, die sofort wieder weichgezeichnet wird. Es ist kalt, aber nicht streng. Still, aber nicht leer. Für einen Augenblick fühlt sich alles einfacher an, als würde die Welt langsamer atmen.

„Das ist so schön“, denkt man unwillkürlich. Nicht spektakulär schön, sondern vertraut. Wie eine Erinnerung an Winter, die früher länger dauerten. An Tage, an denen Schnee selbstverständlich war und nicht etwas, das man fotografiert, weil es vielleicht bald wieder verschwunden ist.

Und während die Schuhe weitergehen, drängt sich eine leise Frage auf: Warum wird der Schnee immer seltener?

Die Antwort liegt nicht im Himmel über diesem Feld, sondern in den Jahren davor. In wärmeren Wintern, in Städten, die Wärme speichern, in Abgasen, die man nicht sieht, aber die bleiben. Das Klima verschiebt sich langsam, fast unmerklich – so wie dieser Schnee leise fällt, aber doch alles verändert.

Die Schuhe gehen weiter. Vielleicht schmilzt dieser Schnee schon morgen. Vielleicht bleibt er ein paar Tage. Aber jetzt ist er da. Und jeder Schritt ist ein kleines Innehalten, ein stilles Danke an etwas, das früher normal war und heute kostbar geworden ist.

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